15.09.2026

e-CMR und eFTI: was Frachtführer und Spediteure bei der Arbeit mit der EU wissen müssen

Der elektronische Dokumentenaustausch im internationalen Straßengüterverkehr ist längst keine Option mehr. In Europa laufen derzeit zwei getrennte, aber miteinander verbundene Prozesse parallel — e-CMR (der elektronische Frachtbrief) und eFTI (ein einheitliches System, über das Behörden elektronische Frachtdaten entgegennehmen) —, die häufig verwechselt werden. Wir erklären, was beides genau ist, wie weit die Umsetzung aktuell fortgeschritten ist und was Frachtführer und Spediteure, die mit der EU arbeiten, schon heute prüfen sollten.

Was ist e-CMR

e-CMR ist ein Zusatzprotokoll zum Übereinkommen über den Beförderungsvertrag im internationalen Straßengüterverkehr (CMR), das es erlaubt, den Frachtbrief elektronisch statt auf Papier auszustellen. Das Protokoll wurde 2008 verabschiedet und trat 2011 in Kraft; die erste kommerzielle Sendung mit elektronischem Frachtbrief erfolgte 2017 zwischen Frankreich und Spanien.

Wichtig: e-CMR gilt nur zwischen Ländern, die das Protokoll ratifiziert haben. Hat auch nur eine Seite der Strecke — das Versand- oder das Zielland — das Protokoll nicht ratifiziert, muss die Sendung weiterhin auf Papier dokumentiert werden. Bevor Sie auf den elektronischen Frachtbrief umstellen, sollten Sie also den Ratifizierungsstatus der konkreten Länder auf Ihrer Route prüfen, statt davon auszugehen, dass e-CMR inzwischen überall funktioniert.

Was ist eFTI, und wie unterscheidet es sich von e-CMR

eFTI (electronic Freight Transport Information) ist eine EU-Verordnung (2020/1056), die Behörden der EU-Mitgliedstaaten dazu verpflichtet, elektronische Frachtdokumente über zertifizierte digitale Plattformen entgegenzunehmen. Während sich e-CMR auf das Format des Frachtbriefs selbst bezieht, der zwischen Frachtführer, Absender und Empfänger ausgetauscht wird, geht es bei eFTI um die Infrastruktur, über die diese Daten — einschließlich e-CMR-Daten — den Behörden in standardisierter Form übermittelt werden können.

Vereinfacht gesagt: e-CMR beantwortet die Frage "in welchem Format wird der Frachtbrief ausgestellt", eFTI beantwortet die Frage "wie erhält der Zoll oder eine Verkehrskontrolle diese Daten tatsächlich bei einer Kontrolle".

Zeitplan der eFTI-Einführung

  • Anfang 2025 traten die ersten Durchführungsrechtsakte in Kraft, sodass die EU-Mitgliedstaaten mit dem Aufbau der erforderlichen IT-Infrastruktur beginnen konnten.
  • Im Verlauf von 2025–2026 arbeitet die Europäische Kommission die technischen Spezifikationen für eFTI-Plattformen sowie die Zertifizierungsregeln für Plattformbetreiber weiter aus.
  • 9. Juli 2027 ist die Frist für die vollständige Anwendung der Verordnung: Ab diesem Datum müssen die nationalen Behörden aller EU-Mitgliedstaaten Daten akzeptieren, die über zertifizierte eFTI-Plattformen übermittelt werden.

Unternehmen haben also noch etwas Zeit zur Vorbereitung, doch der Übergang erfolgt nicht schlagartig — Teile der Infrastruktur, etwa zertifizierte Plattformen und die Bereitschaft der IT-Anbieter, werden bereits im Laufe von 2026 schrittweise verfügbar.

Die Ukraine und e-CMR: aktueller Stand

Die Ukraine hat das e-CMR-Protokoll ratifiziert und ist damit der 27. Staat, der dem System beigetreten ist. Im Inland sind elektronische Frachtbriefe für den Straßengüterverkehr innerhalb des Landes bereits seit mehreren Jahren offiziell zulässig. Zusätzlich wurde die Ukraine für die Teilnahme am Pilotprojekt EU4Digital ausgewählt, das die Integration des ukrainischen elektronischen Frachtbriefsystems mit dem europäischen e-CMR-System zum Ziel hat — ein entsprechender Umsetzungsplan soll 2026 verabschiedet werden.

In der Praxis bedeutet das: Für den innerukrainischen Verkehr ist der elektronische Frachtbrief bereits ein funktionierendes Instrument, während es bei internationalen Sendungen in die EU vom jeweiligen Partnerland und vom Tempo der Integration des ukrainischen Systems mit dem europäischen abhängt.

Was Frachtführer und Spediteure jetzt tun sollten

Die Umstellung auf elektronischen Dokumentenaustausch im Transportwesen ist keine einmalige Umstellung, sondern ein schrittweiser Prozesswandel. Einige praktische Schritte:

  • Prüfen Sie den e-CMR-Status für jede konkrete Route. Nicht jedes Land hat das Protokoll ratifiziert — klären Sie dies mit Ihrem Partner oder bei Branchenquellen wie IRU oder UNECE, bevor Sie auf den Papierfrachtbrief verzichten.
  • Bewerten Sie die Bereitschaft Ihres eigenen Systems. Wenn Ihr Unternehmen regelmäßig mit elektronischen Frachtbriefen arbeiten möchte, lohnt es sich, jetzt schon zu prüfen, welche e-Dokumenten-Plattformen sich in Ihr CRM/TMS integrieren lassen.
  • Behalten Sie zertifizierte eFTI-Plattformen im Blick. Sobald die Europäische Kommission Plattformbetreiber zertifiziert, erhalten Frachtführer mehr Klarheit darüber, über welche Dienste sich Daten tatsächlich an EU-Behörden übermitteln lassen.
  • Warten Sie nicht bis 2027. Unternehmen, die schon jetzt mit dem Aufbau elektronischer Dokumentenprozesse beginnen, sind bereit, wenn eFTI verpflichtend wird — ein Umstieg in letzter Minute geht dagegen fast immer mit Fehlern und Verzögerungen an der Grenze einher.

Der Bezug zu den Lardi-Trans-Services

Während sich die EU-Regulierung schrittweise auf einheitliche digitale Standards zubewegt, lohnt es sich für Frachtführer und Spediteure, schon jetzt elektronische Dokumentenprozesse in den eigenen Ablauf einzubauen — das erleichtert später den Übergang, wenn sich die Anforderungen auf bestimmten Routen verschärfen. Am einfachsten beginnt man bei internen und Partnersendungen: Der Service „Elektronischer Dokumentenaustausch" von Lardi-Trans ermöglicht schon heute den elektronischen Dokumentenaustausch mit Partnern, ohne auf 2027 zu warten.